Schularbeiten – ein kleiner Ratgeber

Für einige wenige sind sie eine Kür, für die meisten eine lästige, unumgängliche und zeitraubende Pflicht: Hausaufgaben. Sobald ein Kind das Schulalter erreicht hat und die ersten Schritte seiner Schullaufbahn begeht, stehen Hausaufgaben auf der Tagesordnung. Sind diese Aufgaben wirklich nötig? Und wenn ja, wie kann man seinen Kindern nun am besten zur Seite stehen?

Ein ganz normaler Mittag in Deutschland. Irgendwo erklingt eine Schulglocke, die Türen öffnen sich und mit einem Schlag strömen unzählige junge und ältere Schulgänger auf die Straßen, lachen, lärmen und freuen sich auf den freien Nachmittag – bis sie zu Hause ankommen.

Dort erwartet sie die Frage, die jegliche Pläne bezüglich der weiteren Tagesgestaltung jäh zusammenbrechen lässt: Welche Hausaufgaben sind zu erledigen? In vielen Familien beginnt mit dieser alltäglichen Frage ein kleiner Disput. Denn nicht alle Schüler stehen Hausaufgaben positiv gegenüber. Mark, selbstständiger Maler und momentaner Hausmann, kennt das Problem. „Sobald Sandra und Ben aus der Schule kommen, geht die Diskussion los. Die Zwei sind sehr aktiv, wollen immer raus. Hausaufgaben zählen da nicht zu ihren Favoriten. Die halten sie nur auf und hindern sie am Spielen.“

So wie Sandra und Ben sehen das viele Schüler. Gerade den Schulanfängern fällt es schwer, sich in den strukturierten Alltag aus Schule, Hausaufgaben und dann erst spielen einzufinden.

Hausaufgaben abschaffen?

Kaum ein Schüler findet Hausaufgaben toll – wieso sie also nicht abschaffen, mag sich so manch einer fragen. Obwohl sie viele Schüler nerven, erfüllen sie doch ihren Zweck. Zum einen dienen sie dazu, das im Unterricht Gelernte zu überarbeiten und damit im Gedächtnis zu verankern. Man wiederholt das zuvor Gehörte und kann es verstehen.

Zudem können die Lehrkräfte anhand der Aufgaben erkennen, was und wie viel von dem Gesagten vom Schüler wirklich verstanden wurde bzw. wo Nachholbedarf besteht und was im Unterricht nochmals erläutert werden sollte. Und nicht zuletzt lernen die Kinder durch Hausaufgaben einen strukturierten und planvollen Tagesablauf kennen. Sie gewöhnen sich an die regelmäßige Wiederkehr bestimmter Abläufe und lernen, dies selbstständig zu übernehmen.

Allerdings: gerade das selbstständige, regelmäßige und geordnete Arbeiten bereitet vor allem Schulanfängern Schwierigkeiten. Nicht jeder Schüler kann von Anfang an die geforderten Aufgaben erfüllen. „Uns wurde erklärt, dass die Hausaufgaben so konzipiert sind, dass alle Schüler sie von Anfang an allein erledigen können. Obwohl sie nicht auf die individuellen Fähigkeiten der Kinder abgestimmt sind, sollten sie von allen zu schaffen sein. Dennoch hatte Ben anfangs Schwierigkeiten. Er war kaum motiviert und musste von uns unterstützt werden.“

Bei Motivationsproblemen oder generellen Schwierigkeiten beim Erledigen der Hausaufgaben ist ein Eingreifen der Eltern unumgänglich. Dennoch sollte sich dieses Eingreifen in Grenzen halten. Zu schnell kann sich ein Kind daran gewöhnen und von dieser Hilfe abhängig werden.

Ist man bei jeder Schwierigkeit zur Stelle, gewöhnt sich ein Kind nur schleppend daran, Probleme und Herausforderungen auch allein zu meistern. „Das ist eine etwas zweigleisige Angelegenheit,“ meint Mark. „Einerseits wollte ich Ben zu selbstständigem Arbeiten anregen, ich wollte dass er merkt, dass er seine Aufgaben allein lösen kann und mich nicht wirklich braucht. Andererseits wollte ich aber auch nicht, dass er den ganzen Nachmittag über einer Aufgabe brütet und nichts mehr von seiner Freizeit hat. Er wollte keine Aufgaben machen, war unkonzentriert und saß daher an kleinen Dingen mitunter eine ganze Stunde. Das zog sich alles ziemlich hin.“

Gemäß dem Prinzip der minimalen Hilfe sollten Eltern bei anhaltenden Schwierigkeiten unterstützend eingreifen. Dabei gilt es, genau herauszufinden, warum das Kind die Aufgabe nicht erledigen kann. Wird die Fragestellung nicht verstanden? Oder ist der junge Schüler einfach unkonzentriert? Weiß man, worin das Problem liegt, kann man auf genau diesen Umstand eingehen und Lösungswege aufzeigen. Anschließend kann das Kind die Aufgaben selbstständig erledigen und ein Erfolgserlebnis erleben, da es die Schularbeiten letzten Endes selbst geschafft hat.

Generelle Hilfestellungen

Prinzipiell hilft es, wenn man alltägliche Strukturen schafft, welche es dem Kind erlauben, sich an den veränderten Tagesablauf zu gewöhnen. „Anfangs haben wir es Ben noch erlaubt, dass er seine Schulaufgaben machen kann, wann er möchte. Doch das hat gar nicht funktioniert. Seither gibt es eine feste Zeit, in welcher die Aufgaben gemacht werden können. Und dieser Zeiten werden eingehalten“, erzählt Mark. Die festgelegten Zeiten sollten eingehalten werden, um lästige Diskussionen zu unterbinden. Ist man hier als Elternteil nicht konsequent, werden sich auch die Kinder nicht an diese Regelung halten.

Neben einem festen Zeitraum, in welchem die Aufgaben erfüllt werden sollten, spielt auch die Atmosphäre eine wichtige Rolle. Mark hat dies an Ben eindrücklich erfahren. „Meine Frau und ich haben Bens Arbeitsplatz umgeräumt. Wir haben im einen neuen Schreibtisch in seiner Lieblingsfarbe besorgt und ihm Materialien mit Mustern gekauft, die ihm gefallen. Spielsachen und andere Dinge, die ablenken würden, haben wir in sicherer Entfernung verstaut. Plötzlich hatte er richtig Lust, an seinem Schreibtisch zu sitzen und zu arbeiten.“

Neben einem einladenden Arbeitsplatz sollten Eltern auch darauf achten, in der Zeit, in der die Hausaufgaben gemacht werden sollen, nicht zu viel Lärm zu verursachen. Sich zu konzentrieren, während neben dem Arbeitsplatz ein Staubsauger brummt, kann nicht gut gehen. Lärmquellen sollten weitgehend vermieden und eliminiert werden. Frische Luft und ausreichend Licht hingegen dürfen nicht fehlen.

Nicht zuletzt sollte man darauf achten, dass die Schüler sich ihre Zeit gut einteilen. Alle Aufgaben an einem Stück zu erledigen klappt nur bei den wenigsten. „Mir ist aufgefallen, dass Ben nach ungefähr einer Viertelstunde zappelig wurde. Er konnte sich nicht mehr konzentrieren. Dann haben wir kleine Lernpausen eingelegt. Er bekam und bekommt in solchen Situationen immer seinen Lieblingskakao, frisches Obst oder eine seiner heiß geliebten Möhren und rennt einmal im Haus herum. Fünf Minuten später kann es weitergehen.“

Inzwischen hat sich auch Ben an den Ablauf gewöhnt, er legt regelmäßige Pausen ein und ist dadurch konzentrierter. Durch Marks geringes Einmischen hat er gemerkt, dass er selbst vieles schaffen kann. Und wenn er doch einmal nicht weiter weiß, steht Mark ihm zur Seite. „Hausaufgaben stehen auf seiner Beliebtheitsskala nach wie vor nicht ganz oben.“ Aber durch den angenehmen Arbeitsplatz, die Pausen und die helfende Hand seines Vaters klappt es inzwischen auch bei ihm mit den Hausaufgaben. „Wir helfen so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig. Er schafft das ganz gut. Und an seinem Schreibtisch sitzt er sowieso total gern. Ich bin zuversichtlich, dass er in Zukunft immer seltener Hilfe braucht.“

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