Leben mit Kind: Wie hilfreich sind Erziehungsratgeber?

Fast alle Eltern haben „einschlägige Literatur“ zu Hause im Regal stehen. Nach wie vor gilt es in den Augen vieler Eltern und Erziehenden, nur ja kein „Zeitfenster“ (zum Beispiel für das Erlernen von Sprachen)in der Entwicklung des Kindes zu verpassen.

Alles soll „richtig“ gemacht und das Kind zum „perfekten, erfolgreichen Erwachsenen“ erzogen werden. Aber: Ist es wirklich sinnvoll und hilfreich, sich für den Umgang mit dem Nachwuchs ausschließlich gerüstet mit den mitunter zweifelhaften Grundsätzen mancher Erziehungsratgeber durch den bunten Dschungel vieler Möglichkeiten durchzubeißen?

Auch viele Erziehungsexperten meinen mittlerweile, dass es für Eltern durchaus von Wert sein kann, sich vor allem auf das eigene Empfinden zu verlassen. Dem Gefühl zu vertrauen ist für den „richtigen“ Umgang mit dem Kind wichtig. Viele Regeln, die in verschiedenen Erziehungsratgebern auftauchen, taugen für den eigenen Junior vielleicht nur bedingt!

Wobei es nicht schaden kann, sich die pädagogischen Ideen anderer einmal anzusehen: Erziehungsratgeber können aber niemals den Anspruch auf vollständige Richtigkeit im Sinne des „So wie hier beschrieben, das ist der einzige richtige Weg!“ erheben.

Kinder sind Persönlichkeiten

Mehr Vertrauen in sich selbst und die eigenen elterlichen Fähigkeiten ist gefragt! Wer mehr auf die eigene Stimme hört und das eigene Kind/ die eigenen Kinder bei Erziehungsfragen nicht aus den Augen verliert, kann auf dem langen Weg des familiären Miteinander nur gewinnen.

Allerdings kann es schon hilfreich sein, sich ab und an auch einmal eine Anregung aus einem Erziehungsratgeber zu holen. Beachten Sie jedoch: Der Erziehungsratgeber und die darin beschriebenen Ideen zum Miteinander müssen zu Ihnen und Ihrem Kind passen  –  nicht umgekehrt im Sinne der Maxime „Was nicht passt, wird passend gemacht!“.

Es ist völlig in Ordnung, nicht alle Ideen aus einem Buch für sich zu übernehmen. Was Ihnen nicht brauchbar erscheint, weil es zu autoritär/ antiautoritär, zu ausgefallen/ altmodisch oder schlicht „Weltfremd“ erscheint, sollte ausgelassen werden.

Finden Sie lieber Ihren eigenen Erziehungsstil!

Beziehung statt „Erziehung“

Die Erziehung von Kindern ist in erster Linie im Grunde Beziehungsarbeit. Nicht mehr und nicht weniger.

Natürlich geht es darum, den Kindern wichtige Grundregeln, die ihm auf seinem Lebensweg in der Gesellschaft helfen sollen, beizubringen, ihnen gewisse Grenzen zu setzen  –  aber mit zunehmendem Alter auch nötige Freiheiten einzuräumen, und vor allem ein gewisses Mitspracherecht.

Bestes Beispiel in diesem Kontext ist die Wahl der weiterführenden Schule nach der Grundschulzeit. Bestimmen Sie niemals einfach so über Ihr Kind hinweg. Behalten Sie bei so wichtigen Entscheidungen vor allem Ihren Nachwuchs im Auge, achten Sie auf seine Interessen und Fähigkeiten, auch auf die Noten, und suchen Sie nicht nur mit dem Klassenlehrer das Gespräch, sondern vor allem auch mit Ihrem Kind!

Bedenken Sie, dass Ihr Kind sich wohlfühlen soll. Vor allem in Bezug auf schulische Entscheidungen lassen sich viele eingeschlagene Wege auch später noch ändern beziehungsweise weiterentwickeln. Auch, wenn es manchmal schwer fallen kann: Bleiben Sie gelassen.

Regeln sind wichtig, Grenzen auch, aber ohne Kommunikation und ein liebevolles Miteinander kommen Sie nicht weit.

Literatur zum Thema (gesehen bei Amazon):

Jan Uwe Rogge(2008): Das neue Kinder brauchen Grenzen-Taschenbuch. rororo

Jan Uwe Rogge (2010): Pubertät  –  Loslassen und Halt geben. rororo

Jesper Juul, Knut Krüger (2009): Dein kompetentes Kind. Auf dem Weg zu einer neuen Wertegrundlage für die ganze Familie. rororo

Jesper Juul, Ingeborg Szöllösi (2005): Aus Erziehung wird Beziehung. Authentische Eltern – kompetente Kinder. Herder Verlag

 

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