Getrennte Betten – der neue Schlafzimmertrend

Den Alltag gemeinsam teilen, Höhen und Tiefen erleben – Das erwarten viele Paare von einer gut funktionierenden Partnerschaft. Doch immer häufiger wird ein Bereich des Zusammenlebens davon ausgeschlossen: Schlafen. Der Trend geht in Richtung getrennter Schlafzimmer. Ist die Liebe nicht stark genug für ein gemeinsames Bett?

Lisa wacht entspannt und erholt auf, streckt sich und tritt den morgendlichen Gang ins Badezimmer an. Auch Mark schlüpft wohlig erholt, aber noch leicht schlaftrunken aus dem Bett. Die beiden verlassen ihr Schlafzimmer – allerdings treten beide aus zwei verschiedenen Zimmern heraus. Denn: Lisa und Mark haben sich vor vier Jahren entschieden, getrennte Betten und Schlafzimmer zu beziehen. Sie treffen sich morgens erst im Bad oder beim gemeinsamen Frühstück wieder.

Vorurteil getrennt schlafen

„Anfangs war das ein seltsames Gefühl, nicht neben meinem Freund aufzuwachen. Aber nicht, weil es sich für uns komisch anfühlte, sondern weil die Umwelt uns weißmachen wollte, dass da bei uns etwas nicht stimmt.“ „Richtig“, pflichtet Mark ihr bei, „als unsere Freunde mitbekamen, dass wir ein zweites Schlafzimmer in unserer Wohnung einrichten, wurden sie gleich hellhörig. Anfangs dachten alle, wir erwarten ein Baby. Sie haben sich total gefreut. Als sie dann aber gehört haben, dass wir uns ein zweites Schlafzimmer zulegen, um getrennt voneinander schlafen zu können, sahen sie uns ganz erschüttert an.“

Getrennte Betten erwecken sofort den Eindruck, als sei etwas ganz und gar nicht in Ordnung. „Meine Mum rief sofort an, als sie über Ecken erfuhr, was wir in unsrer Wohnung vorhaben“, verrät Lena leicht gereizt. „Sie wollte gleich wissen was los sei, ob es mit Mark nicht mehr so liefe und was denn passiert sei. Das letzte Mal als sie uns sah schien ja noch alles in Ordnung zu sein. Und nun das.“ Lena musste all ihre Überzeugungskraft einsetzen, um ihre Familie und Freunde davon zu überzeugen, dass alles in Ordnung sei.

Und auch Mark hatte bei seinen Freunden kein leichtes Spiel. „Alle stürmten plötzlich mit Beziehungsratschlägen auf mich ein, rieten mir, doch einen Paartherapeuten aufzusuchen und mit Lisa zu reden. Und falls das nicht fruchten sollte, sollte ich mich einfach in was neues stürzen. Ich wurde richtig wütend“, erklärt Mark aufgewühlt.

„Hätte ich geahnt, welche Reaktionen wegen solch einer Sache entstehen, hätte ich meinen Freunden gar nicht gesagt, weswegen wir ein zweites Schlafzimmer einrichten wollen.“ Lisas und Marks Entscheidung, die Nächte trotz gemeinsamer Wohnung in getrennten Betten zu verbringen, war für Familien- und Freundeskreis der sichere Beweis, dass die Beziehung über kurz oder lang in die Brüche gehen würde.

„Meine Mom rief viel öfter an als sonst und versuchte mir immer wieder mitzuteilen, dass sie für mich da wäre, sollte es auseinander gehen“, erzählt Lisa und verdreht dabei die Augen. „Ich verstand die Aufregung überhaupt nicht. Mark und ich lieben uns, aber wir haben einfach zu unterschiedliche Schlafrhythmen“, erklärt die junge Frau selbstbewusst.

Von unterschiedlichen Tagesabläufen und inkompatiblen inneren Uhren

Mark arbeitet als Bäcker, er steht früh morgens auf, sein Tag beginnt, wenn andere gerade von einer Party nach Hause kommen. Um vier beginnt er sein Tagwerk. Es hat sich daran gewohnt, kann abends aber nicht lange aufbleiben. „Auch wenn ich es wollen würde, spätestens um 10 bin ich so müde, dass mir die Augen zufallen. Ich brauche genügend Schlaf und gehe daher meist um 8 oder 9 ins Bett. Morgens komme ich dann schnell auf und gehe entspannt zur Arbeit.“

Lisa hingegen ist ein Morgenmuffel und wird erst abends richtig munter. „Ich habe einen normalen Arbeitsalltag, kann mir dank Gleitzeit meine Arbeitszeiten aber einteilen. Ich fange lieber etwas später an und erledige vieles Abends. Dann komme ich richtig in Fahrt“, erklärt sie munter. „Unter der Woche haben Mark und ich komplett gegensätzliche Tagesabläufe. Wenn Mark sich hinlegt, werde ich erst richtig munter, wenn ich schlafe, ist er schon auf dem Weg in die Arbeit. Schlaftechnisch sind wir nicht kompatibel“, lacht Lisa.

Anfangs hatte das junge Paar nach dem Einzug in eine gemeinsame Wohnung große Probleme. Keiner von beiden fand genügend Schlaf, der gegensätzliche Arbeitsalltag hat beide an erholsamen Nachstunden gehindert. „Egal wie leise man sein will“, erklärt Lisa, „der andere merkt es doch, wenn man das Bett verlässt und in der Wohnung aktiv wird. Wir waren nur noch müde und gestresst, haben uns öfter gestritten und waren unausgeglichen.“

Mark stimmt Lisa zu. „Die getrennten Betten waren die lang ersehnte Rettung. Obwohl die anderen dachten, das sei ein sicheres Anzeichen, dass es bei uns beiden nicht mehr läuft, war das eher der entscheidende Punkt, warum es nach wie vor hervorragend klappt“, grinst Mark. „Wir lieben uns, aber wir schlafen einfach zu verschieden. Wir brauchen Erholung, können das aber nicht erreichen, solange wir in einem Bett schlafen.“

Denn neben den unterschiedlichen Tagesabläufen braucht Lisa ein eher helles, warmes Zimmer zum Schlafen. Mark hingegen bevorzugt es, in kompletter Finsternis zu schlafen, schon der kleinste Lichtschlitz nervt ihn und hindert ihn am einschlafen. Außerdem mag er es lieber kühl, auch im Winter ist sein Schlafzimmer nicht beheizt. Einen gemeinsamen Nenner fanden sie im früheren Schlafzimmer nie. „Einer musste immer Einschränkungen hinnehmen, wirklich gut geschlafen haben wir beide nicht.“

Kuscheln erlaubt

„Unser Liebesleben hat sich dadurch nicht verändert. Ganz im Gegenteil, unsere Beziehung ist durch die getrennten Betten richtig aufgeblüht“, gesteht Lisa freudig. „Wir sind erholt und ausgeruht, können einander so viel entspannter begegnen. Wenn wir kuscheln wollen, schlüpfen wir einfach zum anderen ins Bett. Genau wie andere Paare auch, kuscheln wirs uns gern bei einem gemütlichen Film zusammen und verbringen den Abend gemeinsam. Aber zum Schlafen gehen wir in unsere eignen Zimmer.“

„Genau,“ bestätigt Mark, „wir verbringen einfach die Zeit, in der wir sowieso nichts voneinander haben, getrennt. Sobald wir wieder wach und munter sind, genießen wir das gemeinsame Leben. Im Schlaf sind wir glückliche und ausgeruhte Single-Schläfer“, erklärt Mark lachend. Mit den Vorurteilen, dass etwas in ihrer Beziehung ganz und gar nicht stimme, werden sie zwar nur noch selten, aber auch nach Jahren immer noch konfrontiert.

„Obwohl inzwischen eigentlich klar sein sollte, dass unser Schlafverhalten nichts über unsere Gefühle zueinander aussagt, sondern lediglich den gegenseitig Respekt für den Partner zeigt, reagieren viele unserer Bekannten und Freunde nach wie vor sehr befremdlich auf dieses Thema“, erzählt Lisa ungläubig. „Sie können oder wollen nicht verstehen, dass wir das aus Liebe zum Anderen gemacht haben.“

„Mir liegt viel daran, dass Lisa und ich unsere Beziehung genießen können, dass wir Spaß miteinander haben und uns glücklich machen. Doch wie soll das gehen, wenn wir beide ständig müde sind und denn Alltag kaum bewältigen können. Wenn wir dauernd gestresst und genervt sind. Dann macht das doch alles keinen Spaß.“ Auch Lisa stimmt dem zu. „Seit wir getrennte Betten haben, sind wir erst richtig in der Lage, einander zu genießen. Denn wir sind fit, haben Energie, um das Abenteuer Liebesbeziehung richtig zu genießen. Was gibt es schöneres?“, zwinkert Lisa Mark zu. Hier hat die Liebe großen Platz.

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