Die Vermittlung von Werten in der Kindererziehung: Wertvoll oder vernachlässigbar?

Eine Auseinandersetzung mit der gezielten Vermittlung von Werten an Kinder wird heute oft sehr unterschiedlich beurteilt. Während die einen gesellschaftlichen (meist religiösen) Gruppen viele Werte für unverrückbar halten, weigern sich andere, eine bewusste Vermittlung von Werten in ihr Erziehungskonzept aufzunehmen.

Beide Positionen sind ein wenig zu kurz gefasst. Werte sind wichtig, aber nicht unverrückbar.

Grundsätzlich scheint es mitunter schwierig geworden zu sein,  zu erkennen, welche Werte es an den Nachwuchs zu vermitteln gilt, damit er sich in seinem Leben beziehungsweise in der Interaktion mit seinem sozialen Umfeld (Familie, Kindergarten, Schule, Freundeskreis…) optimal zurechtfindet.

In den letzten Jahrzenten haben sich viele der geltenden gesellschaftlichen Werte und Normen verändert  –  zahlreiche heutige Ansichten und Perspektiven unterscheiden sich deutlich von jenen althergebrachter Tradition. Väter-Karenz beispielsweise hätte in den 1950ern für mehr als „nur“ Verwunderung gesorgt.

Ohne Werte geht es nicht?

Werte sind allerdings durchaus sinnvoll, denn sie helfen Kindern und Erwachsenen, gut durch das Leben zu kommen. Wer an Werte wie Freundschaft, Ehrlichkeit, Beständigkeit und Gerechtigkeit glaubt und diesen entsprechend handelt, hat es in der Interaktion mit seinem sozialen Umfeld sicher sehr viel leichter als jemand, der für sich keine Werte akzeptieren kann!

Werte wie die genannten sind für ein soziales Zusammenleben in der Gesellschaft unverzichtbar und werden im Elternhaus schon in frühester Kindheit vermittelt  –  indem man sie vorlebt, mit den (größeren) Kindern gegebenenfalls auch bespricht und, wenn nötig, auch einfordert!

In der Familie lernen Kinder, was sie als richtig und für sich wertvoll einschätzen können. Für die Kleineren ist das eine wichtige Orientierungshilfe  –  größere Kinder werden zwangsläufig irgendwann beginnen, die Werte, die man ihnen mitgegeben hat, zu hinterfragen und für sich zu prüfen, wie hilfreich diese für sie sind…

Wertekompetenz

Laut Victor Frankl (Begründer der Logotherapie) erleichtern Werte dem Menschen die Sinnsuche im Leben. Elternhaus und Umwelt wirken hier prägend, erzeugen sie doch von klein auf ein bestimmtes Grundgefühl, mit dem man „draußen in der Welt“ agiert.

Werte helfen, sich richtig zu entscheiden  –  denn wer hat schon einen Katalog, in dem alle „richtigen Antworten“ auf Fragen des Lebens stehen? Unter „Wertekompetenz“ versteht man daher die Fähigkeit, sich autonom, sachbezogen und situationsgerecht zu entscheiden.

Leben Sie Ihrem Nachwuchs die Werte vor, die für Sie wichtig sind, damit vermitteln Sie ihm nämlich nicht nur ein Gefühl der Beständigkeit und Sicherheit, sondern auch das Rüstzeug für morgen.  Akzeptieren Sie aber auch, wenn Kinder für ihr eigenes Erwachsenenalter manche Werte modifizieren, oder ganz fallen lassen.

Werte gelten zwar zu Recht als Grundbegriffe des Lebens, unterliegen dabei aber immer wieder Änderungen durch den Wandel der Zeit.

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