Die liebe Not mit dem kleinen Geld

Kaugummis, PC-Spiele, Comic-Heftchen, coole Klamotten und fetzige Cd’s – die Liste ließe sich endlos verlängern. Kinder und Jugendliche stehen, sobald das erste Taschengeld ins Haus flattert, vor ungeahnten Kauf-Möglichkeiten. Nicht selten kommt es diesbezüglich allerdings zu größeren Konflikten. Denn: Vielen reicht ihr Taschengeld bei weitem nicht. Oftmals stellt sich die Frage: Wie viel darf’s denn sein?

Samstag, 12 Uhr. Egal ob in Spielläden, Einkaufshäusern oder Bekleidungsgeschäften – es bietet sich einem überalle das gleiche Bild: Vor den Kassen herrschen lange Schlangen, das Gedränge im Geschäft ist groß. Unter den Menschenmassen befinden sich auch viele Kinder und Jugendliche, die ausgiebig stöbern und einkaufen.

Die meisten sind dabei ohne Eltern unterwegs, um ungestört und auch unbeobachtet das kaufen zu können, was ihnen gefällt. Hanna, gelernte Floristin und Mutter zweier Kinder, fünf und zwölf Jahre alt, steht dem Schauspiel zwiegespalten gegenüber. Denn: Nicht alles was in den Einkaufskörben der Kinder landet, würdet sie selbst ihren Kindern geben. „Es ist deren eigenes Geld – dennoch fände ich es schon sinnvoll, darüber zu reden, was man sich davon kaufen darf.“

Rote Schnuller, blaue Gummiwürste, bunte Dinos, Burger, Cola und Co. Ganz oben auf den Einkaufs- und Wunschlisten der jungen Käuferschar stehen Süßigkeiten und Fast Food. All das, was es im Elternhaus im Zuge einer bewussten und gesunden Ernährung eher selten gibt, wird in der Freizeit vom eigenen Geld umso lieber gekauft.

Und auch Spielzeug hat Hochkonjunktur. Vor allem PC Spiele und Spielkonsolen sind heiß begehrt und oft gekauft – solange es das Taschengeld-Budget zulässt. „Ich versuche, meinen Kindern einen vernünftigen Umgang mit Geld beizubringen. Doch beim Taschengeld setzt die Vernunft oftmals aus. Da wird gekauft was gerade gefällt. Ohne Sinn und Verstand“, erklärt Hanna.

Das liebe Geld

Obwohl Eltern teilweise mit Unverständnis und Verärgerung reagieren, wenn die Einkäufe der Kinder gesehen werden, gilt Taschengeld für Kinder ab sechs Jahren doch als sinnvoll und als wichtiger Teil der Erziehung. Denn nur durch den eigenen Umgang mit Geld können Kinder und Jugendliche lernen, den Wert verschiedenster Waren und Dienstleistungen einzuschätzen. Auch Hanna hat das schon früh erkannt.

„Wenn ich meinen Kindern immer nur sage, was für einen Wert etwas hat, ist das schön und gut. Allerdings bleibt das nicht hängen. Sie müssen selbst merken, wofür es sich lohnt, mehr auszugeben, und was eher Geldverschwendung ist.“ Deswegen ist es auch durchaus lohnenswert, Fehlkäufe der Kinder zuzulassen. Nur durch Erklärungen und Ratschläge bleibt es manchmal aus, dass der Nachwuchs von allein erkennen kann, was sein Geld wirklich wert ist. Fehlkäufe hingegen verdeutlichen diesen Umstand recht eindrücklich.

„Mein Sohn wollte über Monate hinweg ein sehr teures Computerspiel. Obwohl ich ihm immer wieder gesagt habe, dass er wohl schnell seine Lust dran verlieren wird und er es sich lieber einmal von Freunden ausleihen soll, hat er darauf bestanden, es zu kaufen. Er hat gespart. Als er das Geld zusammen hatte, hat er sich gleich ins Geschäft gestürzt. Inzwischen verstaubt es in der Ecke. Nach dem ersten Durchgang fand er es langweilig. Er bereut seinen Kauf.“

Auch wenn es schwerfällt, in solchen Situationen als Elternteil daneben zu stehen und zuzusehen, sind es solche Fehlentscheidungen und missglückte Einkäufe, die bei den Heranwachsenden ein Bewusstsein dafür entstehen lassen, was sich zu kaufen lohnt und was nicht.

Derlei Fehlkäufe bedingen allerdings, dass man seinen Kindern weitgehend freie Hand beim Ausgeben des Taschengeldes lässt. Und genau daran scheitern viele Eltern. Gerne wird Taschengeld vergeben mit dem Zusatz, nur bestimmte Dinge davon zu kaufen. Auch wenn dies ein löblicher Ansatz ist, da man damit in den meisten Fällen vermeiden möchte, dass Kinder sich ungesundes Essen und sinnlose Produkte kaufen, ist dies nicht Sinn und Zweck von Taschengeld.

Mit Taschengeld sichern sich die Heranwachsenden einen Teil ihrer Unabhängigkeit, lösen sich langsam vom Elternhaus ab und lernen, auf eigenen Füßen zu stehen und die persönlichen Wünsche verantwortungsbewusst zu erfüllen. Taschengeld sollte daher eine feste Größe darstellen und tatsächlich zur freien Verfügung stehen.

Auch Hannas Kinder haben diese Freiheiten. „Ich bin nicht immer damit einverstanden, was sie sich vom Taschengeld leisten. Doch der Große weiß inzwischen auch ohne mein Eingreifen, wofür er sein angespartes Taschengeld ausgeben möchte. Er setzt inzwischen Prioritäten und gibt sein Geld nicht mehr wahllos aus.“

Vertrauen ist gut, Gespräche sind besser…

Vollkommen unbewacht sollte die Taschengeldvergabe natürlich nicht ablaufen. Gespräche zwischen Eltern und Kindern können hier Abhilfe schaffen. „Wir haben uns mit Thomas, unserem Ältesten, zusammengesetzt, als nur noch Süßigkeiten vom Taschengeld gekauft wurden. Wir haben ihm nicht gesagt, wofür er sein Geld ausgeben soll, aber wir haben ihm gezeigt, was er damit anders machen könnte. Wofür er sparen könnte.“

Dieses Aufzeigen der Möglichkeiten ist es, was vielen Kindern und Heranwachsenden die Augen für neue Verhaltensweisen öffnet. Ohne Tadel und Verärgerung, in einem sachlichen und erwachsenen Gespräch, können Eltern und Kinder ansprechen und diskutieren, was man theoretisch alles mit den Taschengeld machen könnte. Wofür es praktisch schlussendlich ausgegeben wird, obliegt den Kindern. Hannas ältester Sohn scheint umgesetzt zu haben, was Hanna ihm erklärt hat.

„Thomas hat erfahren, was er alles mit seinem Geld machen kann. Bei ihm hat dieses Gespräch gefruchtet. Er hat entschieden, was für ihn wichtig ist, und was er für wertlosen Kram hält. Süßigkeiten stehen inzwischen nur noch selten auf seiner Kaufliste. Dafür ist ihm sein Geld meist zu schade.“

Allerdings: Derlei Erfolge sind eher bei älteren Kindern zu sehen. Kleinkinder und Schulanfänger können noch nicht sparen und sind im Umgang mit Geld deutlich zügelloser. Gekauft wird, was gefällt und was einem gerade in den Kopf kommt – ohne daran zu denken, wofür man sparen könnte bzw. woran man länger Freude hätte. Solche Einschätzungen und ein bewusster Umgang mit Geld müssen sich entwickeln und brauchen Zeit und Geduld.

More, more, more….

Auch wenn Kinder und Jugendliche langsam lernen, das Geld und seinen Wert einzuschätzen, kommen vor allem am Schulanfang Forderungen nach mehr Taschengeld auf. Hanna kennt das Problem zur Genüge. „Vor allem nach den Sommerferien kommen Gespräche zum Taschengeld auf. Die Kinder vergleichen ihre oftmals neuen Sachen untereinander, erzählen, was sie erlebt haben und was sie sich gegönnt haben. Sie vergleichen die Höhe des Geldes, welches ihnen zur Verfügung steht. Meist hat irgendein Freund mehr. Und dann geht es los.“

So sehr man seine Kinder auch liebt, sollte sich die Höhe des Taschengeldes doch grundsätzlich nach der finanziellen Situation der Familie richten. Es hilft nichts, wenn Kinder viel Taschengeld erhalten, die Familie dadurch aber kaum über die Runden kommt. Offene Gespräche mit den Kindern sorgen dafür, Verständnis für die finanzielle Lage der Familie zu erzeugen. Als Richtlinie und Orientierungshilfe können bei der Vergabe des Taschengeldes folgende Taschengeldsätze helfen:

6 – 7 Jahre: bis 1,50 Euro pro Woche

8 – 9 Jahre: bis 2,50 Euro pro Woche

10 – 11 Jahre: bis  15 Euro pro Monat

12 – 13 Jahre: bis  20 Euro pro Monat

14 – 15 Jahre: bis  26 Euro pro Monat

16 – 17 Jahre: bis  42 Euro pro Monat*

Die anschließende Auszahlung des Taschengeldes sollte dabei regelmäßig und unaufgefordert stattfinden. Taschengeld ist eine verlässliche Geldquelle für Kinder aller Altersstufen – unabhängig davon, ob es im Süßwarenladen um die Ecke oder in Bekleidungsgeschäft in der Innenstadt landet. „Manchmal heißt es Nerven bewahren, wenn man sieht, wo das Taschengeld der Kleinen landet“, erzählt Hanna. „Doch im Endeffekt kriegen sie den Bogen und werden zu vernünftigen Käufern.“

 

*Richtlinien gemäß dem Sozialreferat bzw. Stadtjugendamt München

(http://www.muenchen.de/cms/prod1/mde/_de/rubriken/Rathaus/85_soz/06_jugendamt/50_eltern/20_erziehung/elterninfo/dat/taschengeld.pdf)

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